Zwischen November und Februar kommt bei uns regelmäßig derselbe Anruf: Die Anlage liefere kaum noch etwas, ob da etwas kaputt sei. In den allermeisten Fällen ist nichts kaputt. Es ist Winter.
Wie groß der Unterschied wirklich ist
Eine Photovoltaikanlage in Deutschland bringt im Dezember rund 29 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Leistung, im Januar etwa 33. Im Juni sind es rund 127. Das ist ungefähr der vierfache Wert – und es ist kein Anzeichen für einen Defekt, sondern die Folge von Sonnenstand und Tageslänge.
Über das Winterhalbjahr von Oktober bis März kommen etwa 23 Prozent des Jahresertrags zusammen. Die vier dunkelsten Monate, November bis Februar, tragen zusammen nur rund zehn bis fünfzehn Prozent bei. Anders gesagt: Vier von zwölf Monaten liefern ein Achtel des Jahres.
Warum das so ist
Zwei Dinge kommen zusammen. Die Sonne steht flacher, das Licht nimmt einen längeren Weg durch die Atmosphäre und trifft schräger auf die Module. Und der Tag ist kürzer – im Dezember sind es in Sachsen keine acht Stunden zwischen Sonnenauf- und -untergang, von denen ein Teil auch noch dämmrig ist.
Was dagegen hilft: Kälte. Module arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter als im Hochsommer. Ein klarer, kalter Januartag bringt deshalb pro Sonnenstunde mehr, als man erwarten würde. Er hat nur wenige davon.
Schnee, Laub und der flache Winkel
Eine geschlossene Schneedecke setzt den Ertrag auf null, solange sie liegt. Das ist meist kürzer, als es scheint: Module sind glatt, dunkel und meist geneigt, schon wenig Sonne bringt die Decke ins Rutschen. Räumen sollten Sie nichts – der Ertrag von ein paar Tagen wiegt einen Sturz vom Dach oder einen Kratzer auf der Modulscheibe nicht auf.
Ernster ist die Verschattung. Der flache Sonnenstand im Winter lässt Schatten weit wandern – ein Baum oder ein Nachbargiebel, der im Juni keine Rolle spielt, kann im Dezember mitten über das Feld laufen. Wer im Winter auffällig wenig Ertrag sieht, sollte deshalb nicht zuerst an die Technik denken, sondern mittags einmal aufs Dach schauen.
Was der Speicher im Winter kann – und was nicht
Ein Speicher verschiebt Strom über Stunden, nicht über Jahreszeiten. Er nimmt den Mittagsüberschuss auf und gibt ihn abends ab. Im Sommer geht das täglich auf. Im Dezember reicht der Ertrag an vielen Tagen nicht einmal für den laufenden Verbrauch – dann bleibt der Speicher leer, und das ist keine Fehlfunktion.
Wer den Winter über autark sein möchte, bräuchte ein Vielfaches an Speicherkapazität. Das rechnet sich nicht. Der Speicher verdient sein Geld zwischen März und Oktober; im Winter ist er ein Mitläufer.
Was daraus für die Planung folgt
Drei Dinge, die wir in der Beratung immer wieder erklären:
- Rechnen Sie in Jahren, nicht in Monaten. Eine Anlage wird über das Jahr bilanziert. Der schwache Dezember ist im Auslegungswert längst eingepreist.
- Die Winterlücke schließt keine größere Anlage. Mehr Module bringen im Sommer mehr Überschuss, im Dezember bleibt es dunkel. Sinnvoller ist, den Eigenverbrauch dorthin zu legen, wo der Strom anfällt.
- Wärmepumpe und Winter passen trotzdem zusammen. Sie verbraucht genau dann am meisten, wenn die Anlage am wenigsten liefert – der Solarstrom deckt deshalb einen Teil, nicht alles. Wie viel es bei Ihnen wäre, hängt an Gebäude und Verbrauch.
Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Dach übers Jahr trägt, sehen wir uns Ausrichtung, Verschattung und Verbrauch gemeinsam an: Beratungstermin vereinbaren. Wie sich Photovoltaik und Wärmepumpe gegenseitig ergänzen, steht auf unserer Wärmepumpenseite.