Eine Wärmepumpe läuft nach dem Einbau erst einmal mit den Werten, die der Hersteller ab Werk vorgibt. Die passen zu einem gedachten Durchschnittshaus, nicht zu Ihrem. Der Herbst ist der richtige Zeitpunkt, das nachzuholen – bevor die ersten kalten Nächte zeigen, ob die Einstellung trägt.

Die Vorlauftemperatur entscheidet über die Stromrechnung

Alles an einer Wärmepumpe hängt an einer Zahl: der Vorlauftemperatur, also der Temperatur, mit der das Heizwasser in die Heizkörper oder die Fußbodenheizung geht. Je niedriger sie ist, desto weniger Arbeit muss der Verdichter leisten.

Der Bundesverband Wärmepumpe rechnet mit rund 2,5 Prozent weniger Stromverbrauch je Grad, um das die Vorlauftemperatur sinkt. Wie stark das durchschlägt, zeigt die Jahresarbeitszahl: Bei 35 Grad Vorlauf erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe rund 4,5, bei 55 Grad noch etwa 2,8, bei 70 Grad liegt sie unter 2. Dieselbe Anlage, dasselbe Haus – nur eine andere Einstellung, und der Stromverbrauch verdoppelt sich.

Was die Heizkurve macht

Die Heizkurve legt fest, wie die Vorlauftemperatur auf die Außentemperatur reagiert: Je kälter es draußen wird, desto wärmer das Heizwasser. Zwei Stellschrauben gibt es dafür.

  • Die Steilheit bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei fallender Außentemperatur steigt. Als Startwerte gelten etwa 0,3 bis 0,5 für eine Fußbodenheizung, 1,0 bis 1,2 für Heizkörper in einem gedämmten Haus und 1,4 bis 1,6 in einem ungedämmten Altbau.
  • Das Niveau verschiebt die ganze Kurve nach oben oder unten. Es ist die richtige Stellschraube, wenn es im Haus gleichmäßig zu kühl oder zu warm ist – unabhängig davon, wie kalt es draußen gerade ist.

Die Faustregel für die Praxis: Ist es nur an kalten Tagen zu kühl, war die Steilheit zu flach. Ist es immer zu kühl, ist das Niveau zu niedrig. Ändern Sie jeweils nur eine Größe und geben Sie dem Haus zwei bis drei Tage Zeit – Gebäude reagieren träge, und wer täglich nachstellt, jagt seiner eigenen Änderung hinterher.

Nachtabsenkung: bei der Wärmepumpe meist ein Fehler

Von der Gasheizung ist die Nachtabsenkung als Sparmaßnahme bekannt. Bei einer Wärmepumpe kehrt sich das oft um. Was nachts an Wärme fehlt, muss morgens nachgeholt werden – und zwar mit höherer Vorlauftemperatur als im gleichmäßigen Betrieb. Genau das ist der teure Bereich.

Eine Ausnahme gibt es: gut gedämmte Gebäude mit Fußbodenheizung. Der Estrich speichert so viel Wärme, dass die Temperatur über Nacht kaum fällt und der Nachholbedarf klein bleibt. Im ungedämmten Haus mit Heizkörpern ist die Absenkung dagegen selten ein Gewinn.

Was Sie selbst prüfen können

Ohne Werkzeug und ohne Risiko lässt sich einiges kontrollieren:

  • Sind alle Heizkörperventile offen? Ein zugedrehter Raum zwingt die Anlage, die fehlende Wärme woanders über eine höhere Vorlauftemperatur auszugleichen.
  • Steht die Warmwassertemperatur höher als nötig? Jedes Grad darüber kostet dasselbe wie beim Heizen.
  • Läuft der Heizstab? Viele Regelungen zeigen seine Betriebsstunden. Springt er außerhalb sehr kalter Tage an, stimmt etwas an der Auslegung oder der Einstellung nicht.
  • Ist der Außenfühler frei? Sitzt er in der Sonne oder über einem Lüftungsauslass, misst er nicht das Wetter, sondern seine Umgebung.

Wo der Fachbetrieb anfängt

Zwei Dinge gehören nicht in die Selbsteinstellung: der hydraulische Abgleich und die Frage, ob die Anlage überhaupt richtig dimensioniert ist. Beides lässt sich an der Regelung nicht reparieren. Wenn die Heizkurve immer weiter nach oben wandert, damit es warm wird, ist das ein Hinweis darauf, dass das Problem tiefer liegt.

Wie viel Leistung Ihr Gebäude am kältesten Tag überhaupt braucht, können Sie überschlägig selbst ermitteln: zur Heizlastberechnung. Wenn Sie die Einstellung lieber gemeinsam durchgehen möchten, sehen wir uns die Anlage an: Beratungstermin vereinbaren.